Das Sächsische Mozartfest 2021

„Alle Menschen werden Brüder…!“

„Liebt euch selbst und eure Brüder! Körperkraft und Schönheit sei eure Zierd’, Verstandeshelle euer Adel! Reicht euch der ew’gen Freundschaft Bruderhand, die nur ein Wahn, nie Wahrheit euch so lang entzog.  Zerbrechet dieses Wahnes Bande! Zerreißet dieses Vorurteiles Schleier! Enthüllt euch vom Gewand, das Menschheit in Sektiererei verkleidet! In Kolter schmiedet um das Eisen, das Menschen, das Bruderblut bisher vergoß! Zersprenget Felsen mit dem schwarzen Staube, der mordend Blei in Bruderherz oft schnellte! Wähnt nicht, daß wahres Unglück sei auf meiner Erde, Belehrung ist es nur, die wohltut, wenn sie euch zu bessern Taten spornt; Die, Menschen, ihr in Unglück wandelt, wenn töricht blind ihr rückwärts in den Stachel schlagt, der vorwärts euch antreiben sollte. Seid weise nur, seid kraftvoll und seid Brüder! Dann ruht auf euch mein ganzes Wohlgefallen; dann netzen Freudenzähren nur die Wangen; dann werden eure Klagen Jubeltöne; dann schaffet ihr zu Edenstälern Wüsten; dann lachet alles euch in der Natur; dann ist’s erreicht, des Lebens wahres Glück.“

Mit Schillers Ode an die Freude und vorstehend Mozarts vertonten Text von Franz Heinrich Ziegenhagen werden wir das Abschlusskonzert des Sächsischen Mozartfest mit der Europäischen Sommerphilharmonie und -Chor vor dem Karl-Marx-Monument gestalten. Aufgeführt wird Beethovens IX. Sinfonie und unser an Stephan König vergebenes Auftragswerk „Elysium“ mit besagtem Text in Bezug auf Mozart. Dies vor der Inschrift hinter dem Marx-Monument das zur Vereinigung mahnt – aus unserer Sicht für eine bessere Welt – und vor dem polarisierend die Köpfe aufeinander stießen, Fäuste sich in den Taschen ballten und von dem aus Bilder mit menschenverachtendem Hass aus Chemnitz in die Welt gingen. Wir setzen damit und mit dem Sächsischen Mozartfest 2021 in dem dreijährigen Themenzyklus Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit – Evolutionen ein Zeichen für Verwandlung und sind glücklich, dass sich Chemnitz mit dem Titel Kulturhauptstadt 2025 mit einem besseren Gesicht zeigen kann, das nur fortwährend in bewahrender Selbstverständlichkeit als Wirklichkeit errungen wird.

Das Eröffnungswochenende am 8. und 9. Mai in der Kreuzkirche präsentiert das Sächsische Mozartfest das Ukrainische Jugendsinfonieorchester und das inzwischen traditionelle Netzwerkorchester in der Kreuzkirche unter der Leitung der Dirigentin Oksana Lyniv – Philharmonie heißt die Orchesterleistung in der sich verschiedene Menschen unterschiedlichster Herkunft zu einem Klang in ausgewogener Balance zwischen Konsonanz und Dissonanz zur Harmonie fügen– im Musikalischen wie im Gesellschaftlichen. Das „zum Klingen bringen“, der wohlgeformte Klang, die inspirierte und inspirierende Melodie, die Verwobenheit interessanter Klangschichten und Rhythmen in einem aufeinander abgestimmten Miteinander in Reibung und Auflösung bedarf eingeübter Disziplin, der Empathie für das „zwischen den Zeilen stehende“ und ausstrahlender Menschlichkeit – entäußerter und geteilter Menschlichkeit.

Im Gegenpol zu Schillers „Ode an die Freude“ stehen der Brudermord, der Geschwisterhass und -neid, biblisch die Geschichte von Kain und Abel. Unfrieden und Trennendes zu überwinden, konstruktive Gemeinschaft bei Wahrung von Originalität und Identität zu gestalten, dafür steht die Europäische Union und die friedliche Weltgemeinschaft, welche die sozialen, politischen und existenziellen Herausforderungen für eine Lebenswerte Zukunft meistern will.

Diese Aspekte wollen wir im 30. Sächsischen Mozartfest 2021 erlebbar machen und Kooperationen mit unseren Partnerstädten, den Mozart-Gesellschaften in Europa und darüber hinaus, mit den Klangkörpern und Veranstaltungspartnern in Chemnitz, der Region und in Sachsen zeigen. Wir leisten damit einen wesentlichen Beitrag für die kulturelle Ausstrahlung der Stadt Chemnitz und ihrer Region.