Erland Dahlen

Abschlusskonzert – Nordische Frauen-Power Der neue Stern am Norwegischen Pop-Jazz-Himmel
Pfingstmontag, 1. Juni, 21.00 Uhr
Kreativhaus K40, schönherr.fabrik
Schönherrsraße 8, 09113 Chemnitz

 

Erland Dahlen sorgte auf der letzten Tour als Teil von Nils Petter Molværs Trio für überraschende Höhepunkte, als er mit seinem Gesang und mit seiner Singenden Säge nachhaltige emotionale Gegenpunkte zu Westerhus’ Gitarrenextravaganz setzte. Doch soll nicht unterschlagen werden, dass seit rund zwanzig Jahren seine Mitwirkung auf wohl 130 Platten mannigfaltig die norwegische Musik bereichert hat, ohne dass Dahlen selbst im Rampenlicht gestanden hätte wie die Menschen, mit denen er aufnahm: Marit Larsen, Eivind Aarset, Mathias Eick, Arve Henriksen, Jon Balke, Mike Patton oder natürlich die Band Madrugada, um nur einige zu nennen.

Dass er nun, mit vierzig Jahren, sein erstes Soloalbum aufgenommen hat, war also quasi längst überfällig. Ganz wie es sich für den charismatischen, aber zurückhaltenden Schlagzeuger gehört, macht »ROLLING BOMBER« freilich keinen Wirbel. Zudem ist bemerkenswert, dass er nicht nur auf Stargäste verzichtet, sondern alle Stücke komplett im Alleingang aufgenommen hat. Das hört man dem Album jedoch überhaupt nicht an: Wer langweiliges Schlagzeuger-Muckertum erwartet, ist so sehr auf dem Holzweg wie nur möglich und verpasst eines der bislang besten Alben beim kleinen Label Hubro.

Mindestens sechzehn verschiedene Instrumente, so listet das Cover, spielte Dahlen bei den Aufnahmen in einer verlassenen Kaffeefabrik in Oslo im Februar und April 2011; darunter ein Slingerland-Rollingbomber-Schlagzeug aus den 1940er Jahren, einen batteriebetriebenen Schlagzeugaffen, Gongs, Glocken, Kalimba und natürlich die Singende Säge. Die Gesamtstimmung ist entspannt und freewheeling, wie man es bei nur dreitägigen Aufnahmesessions kaum vermuten würde. Latent introspektiv, aber nie sentimental entfaltet »ROLLING BOMBER« einen reichen, sehr eigenen Kosmos von Einflüssen und Stilelementen. Nur punktuell gibt sich Dahlen exaltiert, etwa wenn sich das abschließende »Germany« zu einer mitreißenden Krautrock-Hommage aufschwingt, die vielleicht von den Höhepunkten der Zusammenarbeit auf Molværs letztem Album geprägt ist.